Über Tilly Börges Kunst
Bewegte Bilder - theatrale Momentaufnahmen Bühnenkunst und Bildende Kunst - zwei Bereiche, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Hier die dynamische, fortwährende Auseinandersetzung mit Sprache, Musik, Bewegung, dort der in sich ruhende, sorgfältig komponierte Augenblick. Tilly Börges besitzt die Gabe, beide Ausdrucksmöglichkeiten auf unnachahmliche Weise miteinander zu verbinden.
Peter Grisebach, Intendant des Stadttheaters Bremerhaven
Als ich 1996 die Künstlerin Tilly Börges kennen lernte, war ich von der Kraft ihrer Bilder beeindruckt. Wenig später, im Frühjahr 1997, richtete das Kulturamt im Historischen Museum Bremerhaven der Malerin eine Ausstellung aus mit dem Titel "Bewegung". Hannelore Ahorn sprach in ihrer Einführung vom "kühnen Duktus" und "ekstatischen Farbspuren" und charakterisierte die Arbeiten in ihrer Gesamtheit als "eruptiv, wie eine Entladung lang aufgestauter Kräfte in Gestalt von Farben, Formen und Linien".
Im Zusammenspiel von Farbe und Form der Körper auf der Fläche vollzieht sich die Bewegung. Eine Künstlerin, die sich die Bewegung zum Thema gewählt hat, muss selbst dem Leben, ja der Sinnlichkeit überaus zugewandt sein. Für mich gehört Tilly Börges zu den Menschen, die eine rotierende Bewegung in sich haben - und nur diejenigen, so Francis Picabia, können andere Menschen anziehen.
Dr. Gisela Lehrke, Leiterin des Kulturamtes
Großformatige Leinwände, spontaner Malgestus und impulsiv über das Bild geführte Farbsubstanz, das Werk als Ort subjektiver Erfahrung. Tilly Börges geht den Weg einer elementaren Malerei. In ihren gestisch abstrakten Bildern spiegeln Farbe und Form fundamentales Erleben, unabhängig von der gegenständlichen Welt, jenseits der Nachbildung der Wirklichkeit. Die Künstlerin gewinnt neue Formwelten, die aus Gefühlsbewegungen und existenziellen Grunderfahrungen gespeist werden; sie schöpft aus dem Unbekannten. Emotionen aüßern sich unmittelbar, wechselnde Stimmungen brechen sich Bahn.
Tilly Börges balanciert dos Bildgeschehen immer wieder in ein lebendiges Gleichgewicht. Sie bewahrt die Spannung zwischen moterieller Dichte und immatierieller Farbschwingung, zwischen formaler Straffung der Bildmittel und freier emotionaler Handschrift. Ihre Formwelten folgen einer inneren Gravitation, die im täglichen Erleben fußt, aber dem zuvor Unbekannten, Elementaren angehört. Die Malerei bleibt ihr eigener Bezugspunkt, sie ist Bewegung und Tanz.
Hans-Dieter Sommer Kunsthistoriker, Kiel